Pfadabhängigkeit

engl. Path Dependence

Ein wichtiger Einflussfaktor auf die Entwicklung eines Short-ETFs ist dessen Pfadabhängigkeit. Ein Short-ETF soll die Entwicklung eines Basiswertes spiegelverkehrt abbilden. Fällt beispielsweise der DAX, so soll der Short-Dax-ETF entsprechend steigen, steigt hingegen der DAX, so soll der ETF entsprechend fallen. In der Praxis findet die Abbildung jedoch nicht 1:1 statt. Es findet eine Abweichung zur Entwicklung des Basiswertes statt. Der Grund für die Abweichung ist, dass die Berechnung prozentual und jeden Tag neu stattfindet.

Zum Beispiel:

Short-ETF:
Der DAX fällt an einem Tag um 20 % von 10 000 Punkte auf 8000 Punkte. Somit steigt der Short-ETF um 20 % von 100 Euro auf 120 Euro. Am darauf folgenden Börsentag steigt der DAX jedoch wieder auf 10 000 Punkte. Somit ist zunächst beim DAX die Ausgangsposition wiederhergestellt. Um diese zu erreichen, musste er jedoch um 25 % zulegen, da er von den 8000 Punkten eine Steigerung von 25 % benötigte, um wieder auf 10 000 Punkte zu steigen (1/4 von 8000 Punkte = 2000 Punkte. Folglich 8000 Punkte plus 2000 Punkte = 10 000 Punkte). Der Short-ETF bildet nun jedoch die prozentuale tägliche Veränderung des Basiswertes ab. Er betrachtet somit nicht den Punktestand des Basiswertes. Da nun der DAX um 25 % zugelegt hat, fällt der Short-ETF um 25 %, was bei einem ETF Stand von 120 Euro 30 Euro bedeutet. Somit ist der neue Stand des ETFs 90 Euro, während der DAX unverändert bei 10 000 Punkten notiert. Der Anleger hat somit bereits einen Verlust von 10 % erlitten, obwohl sich der Basiswert auf dem gleichen Stand wie beim Kauf des Short-ETF befindet. In schwankungsstarken Märkten kann es so zu einer starken Abweichung zwischen Basiswert und Short-ETF kommen.
Fällt der Basiswert jedoch über einen längeren Zeitraum, können durch die Pfadabhängigkeit zusätzlich Gewinne realisiert werden, da dann der Short-ETF einen stetig höheren Wert annimmt.

Gehebelter ETF:
Bei einem gehebelten ETF verhält es sich ähnlich, da auch hier die Berechnung prozentual und jeden Tag neu stattfindet. Steigt der DAX um 10 % von 10 000 Punkte auf 11 000 Punkte an, steigt ein zweifach gehebelter Long-ETF von 100 Euro auf 120 Euro an. Am darauf folgenden Tag fällt der DAX jedoch wieder auf das Ausgangsniveau von 10 000 Punkte zurück. Er fällt somit um 9,09 Prozent. Nun fällt der zweifach gehebelte ETF jedoch um 18,18 Prozent. Bei einem Vortageskurs von 120 Euro fällt er somit zurück auf 98,14 Euro zurück. Wie erkenntlich wird, verliert der Anleger, obwohl der DAX sich vom Ausgangsniveau nicht bewegt hat, mit einem zweifach gehebelten Long-ETF 1,81 % auf das eingesetzte Kapital. Aufgrund der Berechnungsmethode dieser ETFs können die langfristigen Verluste deutlich höher ausfallen.