Auch Passivseite oder Kapitalseite

Das Passiva befindet sich auf der rechten Seite der Bilanz und zeigt auf, wie genau sich das Gesamtkapital des Unternehmens zusammensetzt. Die Passivseite gibt somit das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital an und verdeutlicht, wie das Aktiva (Vermögenswerte auf der linken Seite der Bilanz) finanziert wurde.

Beispiel

Angenommen ein Unternehmen besitzt nur eine Immobilie mit einem Wert von 600 000 €. Diese Immobilie wurde zu 400 000 € mit Eigenkapital und zu 200 000 € mit Fremdkapital finanziert. Die Aktivseite weist nun eine Immobilie im Wert von 600 000 € auf, die Passivseite hingegen gibt die Finanzierung der Immobilie an. Die Passivseite weist somit 400 000 € Eigenkapital und 200 000 € Fremdkapital aus.

Bei Banken stellt die Passiva das aktive Geschäft dar. Schließlich besteht ihr Geschäft daraus, Kundeneinlagen und somit Fremdkapital zu generieren. Bei herkömmlichen Unternehmen hingegen stellt die Passivseite die Kapitalbeschaffungsseite dar und besteht somit größtenteils aus Eigenkapital, Bankkrediten, Anleihen und auch zum Beispiel aus offenen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Darüber hinaus gibt das Passiva aber auch Auskunft über die Fristigkeit des Fremdkapitals. Anleger mit einem mittel-bis langfristigen Anlagehorizont sollten deshalb vor dem Kauf der jeweiligen Aktien eines Unternehmens die Passivseite unter Berücksichtigung der sogenannten goldenen Bilanzregel analysieren. Dies besagt, dass langfristiges Vermögen (Anlagevermögen auf der Aktivseite) langfristig zu finanzieren ist, um die finanzielle Stabilität des jeweiligen Unternehmens aufrechterhalten zu können. Als richtungsweisende Hilfe zur Beurteilung der finanziellen Stabilität des Unternehmens können dabei die Kennzahlen Deckungsgrad I und Deckungsgrad II helfen.