Leistungsbilanzdefizit

engl. Current Account Deficit

Ein Leistungsbilanzdefizit liegt dann vor, wenn eine Volkswirtschaft innerhalb eines Zeitraumes von in der Regel 12 Monaten mit dem Verkauf (Export) aller Güter und Dienstleistungen weniger Einnahmen erzielt als es für Importe für Güter und Dienstleistungen ausgeben muss. In solch einer Situation nehmen die Verbindlichkeiten vom Inland gegenüber dem Ausland zu. Für das Inland erhöhen sich nun die Nettoauslandsverbindlichkeiten gegenüber dem Ausland, gleichzeitig nehmen für das Ausland die Nettoauslandsforderungen gegenüber dem Inland zu.
Im Gegensatz zum Handelsbilanzdefizit werden beim Leistungsbilanzdefizit auch noch Erwerbs- und Vermögensübertragungen zwischen dem In- und Ausland berücksichtigt. Dazu gehören u.a. Arbeitsentgelte, Kapitalerträge und Geldübertragungen aus dem Ausland (Heimatüberweisungen).

Ein Leistungsbilanzdefizit erhöht die Verbindlichkeiten einer Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland oder verringert die offenen Forderungen gegenüber dem Ausland. Um das Defizit zu finanzieren, muss entweder aus den Währungsreserven der jeweiligen Notenbank geschöpft werden oder aber es muss eine Kreditaufnahme bei anderen Ländern erfolgen. Im zweiten Fall muss somit in der Zukunft ein immer größer werdender Anteil des Bruttoinlandsproduktes als Zinszahlungen an die jeweiligen ausländischen Gläubiger bezahlt werden, bei denen das Defizit besteht. Langfristig führt dies jedoch zu einer immer weiter steigenden Verschuldung, die nur durch eine Erhöhung der Exporte reduziert / ausgeglichen werden kann. Diese Exporte müssen dann dafür sorgen, dass Devisen ins Land kommen, mit denen das Leistungsbilanzdefizit geschlossen werden kann.

Ein lang anhaltendes und großes Defizit kann schließlich dazu führen, dass sich die Bonität des Landes verschlechtert. Dieses wiederum führt dazu, dass das Land einen höheren Zins bei Kreditaufnahmen zahlen muss, was letztendlich zu einer noch höheren Verschuldung und weiteren Verschlechterung der Bonität führen kann.
Allerdings kann ein Land sich durch Leistungsbilanzdefizite auch dringend benötigtes Geld besorgen, welches dann in die inländische Wirtschaft und in die Steigerung der Produktion investiert wird. Langfristig kann dann mit dieser Produktionssteigerung und Verbesserung der Wirtschaftslage das Defizit geschlossen werden.