Physische Replikation

Auch Vollständige Nachbildung

Ein ETF soll einen zugrunde liegenden Index möglichst genau nachbilden. Bei der Abbildung des Index gibt es jedoch verschiedene Replikationsmethoden. Eine Möglichkeit, einen Index durch einen ETF nachzubilden, wird durch die physische Replikation erreicht. Dabei kauft der ETF alle im Index enthaltenen Wertpapiere unter Berücksichtigung derselben Gewichtung wie im zugrunde liegenden Index. Diese Replikationsmethode ist im Vergleich zu anderen mit oftmals höheren Kosten für die ETF-Käufer verbunden, da oft Wertpapierkäufe bzw. Wertpapierverkäufe durchgeführt werden müssen, um den Index weiterhin 1:1 nachzubilden. Nimmt der zugrunde liegende Index neue Mitglieder auf oder aber findet eine Anpassung der Gewichtung einzelner Aktien statt, so muss der ETF darauf mit den entsprechenden Käufen oder Verkäufen reagieren. Um die Kosten zu reduzieren, können ETFs ihre Aktien jedoch gegen eine bestimmte Gebühr für eine bestimmte Zeitdauer verleihen. Sie können ihre Aktienbestände somit für einen Leerverkauf nutzen und so einen Teil der Kosten wieder wettmachen.

Die physische Replikation lässt sich allerdings noch in Full Replication, Representative Sampling und Optimized Sampling unterteilen. Während bei der Full Replication-Methode die Nachbildung über einen exakten Kauf der Indexzusammensetzung geschieht, werden bei der Representative Sampling-Methode nur die wichtigsten und liquidesten Aktientitel mit der höchsten Gewichtung im Index gekauft. Bei der Optimized Sampling-Methode wird mit Hilfe eines computergestützten Optimierungsverfahrens versucht, die beste Balance zwischen möglichst genauer Abbildung des Index und möglichst geringen Kosten zu erzielen.

Die physische Replikation stößt bei der exakten Nachbildung des jeweiligen Index jedoch schnell an ihre Grenzen, weshalb eine genaue Gewichtung aller Indextitel praktisch nicht möglich ist. So muss die Ausgabe von Bezugsrechten und Dividendenzahlungen der Unternehmen von den ETF-Verwaltern koordiniert werden, Veränderungen in der Zusammenstellung des Index müssen nachgebildet werden, ebenso wie Kapitalanpassungen bei einzelnen Unternehmen. Des Weiteren ist die Handhabung mit der Kommastellengewichtung nicht möglich. Ein Unternehmen, welches mit beispielsweise 12,53 Prozent in einem Index gewichtet ist, kann dann nicht mehr exakt 1:1 vom ETF abgebildet werden und folglich kommt es zu einer (geringen) Abweichung.