Auch Zinsinversion oder Fallende Zinsstrukturkurve
engl. Inverted Yield Curve

Im Normalfall erhält der Anleger für langfristige Anleihen (Laufzeit von mehr 10 Jahren und mehr) höhere Zinsen als für kurzfristige Anleihen (Laufzeit von maximal 2 Jahren) mit selber Kreditwürdigkeit. Dies macht schließlich aus Sinn, da die Kreditwürdigkeit und Finanzstabilität eines Staates sowie die Inflationsentwicklung für die nächsten 10 Jahre schlechter prognostiziert werden kann als für die nächsten 2 Jahre. Für dieses Risiko erhalten Käufer von langlaufenden Anleihen normalerweise höhere Zinsen. Im Normalfall liegt also eine steigende Zinskurve vor, sprich, je länger die Laufzeit der Anleihe, desto höher die Rendite. Bei der inversen Zinskurve liegen die Zinsen für langfristige Anleihen nun jedoch unter den Zinsen für kurzfristige Anleihen und es liegt somit eine fallende Zinsstrukturkurve vor. Anleger erzielen dann mit kurzfristigen Anleihen eine höhere Rendite als mit langlaufenden Anleihen. In der Theorie gilt eine Zinsinversion oftmals als Vorbote für eine bevorstehende Rezession oder zumindest für einen wirtschaftlichen Abschwung.

Dabei kann eine inverse Zinskurve mehrere Ursachen haben. Ein Grund für eine inverse Zinsstruktur ist, dass der Markt für die Zukunft fallende Zinsen erwartet. Daraufhin kaufen Marktteilnehmer, so lange noch möglich, die langlaufenden Anleihen, um sich so noch die höheren Zinsen zu sichern. Die Nachfrage nach diesen Anleihen steigt daraufhin jedoch stark an, woraufhin die Kurse steigen und zeitgleich die Renditen fallen. Gleichzeitig geht die Nachfrage nach kurzlaufenden Anleihen zurück, woraufhin die Kurse dieser Anleihen fallen und somit die Renditen steigen (steigt die Nachfrage nach Anleihen, steigen deren Kurse und zeitgleich fallen die Renditen, umgekehrt steigen die Renditen, wenn Anleihenkurse fallen).

Außerdem entwickelt sich eine inverse Zinsstrukturkurve dann heraus, wenn die Zentralbank eines Währungsraumes die kurzfristigen Zinsen aus der Sicht des Marktes zu stark anhebt (die EZB den Hauptrefinanzierungssatz, die Fed die Federal Funds Rate), auch selbst dann, wenn sich der konjunkturelle Ausblick verschlechtert. Die Kurse von kurzfristigen Staatsanleihen fallen daraufhin (und die Renditen steigen). Investoren glauben jedoch, dass Zinssenkungen aufgrund der sich eintrübenden Wirtschaftsaussichten bevorstehen, weshalb sie als Reaktion daraufhin Staatsanleihen mit einer langen Laufzeit (+10 Jahre) verstärkt kaufen. Dies führt dann jedoch zu einem Rückgang der Renditen für langfristige Staatsanleihen. Fallenden Zinskurven bilden sich somit vor allem auch dann heraus, wenn Investoren der Meinung sind, dass die Geldpolitik der jeweiligen Zentralbank aktuell zu ’straff‘ ist.

Ein weiterer Grund für eine inverse Zinsstruktur ist die Befürchtung des Marktes, dass die Wirtschaftswachstumsraten des Landes in Zukunft rückläufig oder gar negativ ausfallen werden oder aber dass es zu einer fallenden Inflation kommen wird.

Fazit

Alle möglichen Ursachen einer inversen Zinskurve liegen der Befürchtung des Marktes zugrunde, dass ein wirtschaftlicher Abschwung oder gar eine Rezession bevorsteht. Unter der fallenden Zinskurve leiden vor allem Banken und Finanzinstitute, da ihr Geschäftsmodell zum großen Anteil aus der Fristentransformation besteht. Kurzfristige Geldeinlagen von Kunden werden dabei zu langlaufenden Krediten an Kunden umgewandelt (transformiert). Die inverse Zinskurve hindert die Banken jedoch teilweise daran, dieses Geschäftsmodell weiterhin profitabel umzusetzen, wodurch so der Zinsüberschuss einer Bank gemindert wird.